
Die Grafik zeigt die strukturelle Ordnung des Enneagramms. In der Arbeit steht nicht die Zuordnung zu einem Typ im Vordergrund, sondern die Wahrnehmung innerer Muster und Dynamiken.
Das Enneagramm als Reflexionsmodell
Das Enneagramm ist ein Modell zur Beschreibung innerer Muster,
die unser Wahrnehmen, Denken, Fühlen und Handeln prägen – insbesondere unter Druck.
Es geht dabei nicht um feste Typen oder Schubladen,
sondern um wiederkehrende innere Dynamiken, die sich im Laufe des Lebens entwickelt haben.
Im Kern beschreibt das Enneagramm neun unterschiedliche Grundorientierungen,
die jeweils eine spezifische Art zeigen,
- mit Sicherheit umzugehen,
- Beziehungen zu gestalten
- und Autonomie zu sichern.
Diese Orientierungen wirken häufig unbewusst
und werden vor allem in herausfordernden Situationen sichtbar:
unter Verantwortung, bei Konflikten oder in Phasen hoher Erwartung.
Das Enneagramm als embodied Reflexionsprozess
In meiner Arbeit wird das Enneagramm nicht über Fragebögen oder Selbsttests erschlossen.
Stattdessen arbeite ich mit körperlicher Wahrnehmung und Resonanz.
Der Körper reagiert oft früher und eindeutiger als der bewusste Verstand. Über Haltung, Spannung, Atem, Bewegung und emotionale Resonanz werden innere Muster sichtbar, die kognitiv allein nur schwer zugänglich sind.
Die sogenannte „Typbestimmung“ verstehe ich daher nicht als Diagnose, sondern als hypothesenbildenden Reflexionsprozess:
- Welche Muster zeigen sich im Körper?
- Wo entsteht Spannung, wo Weite?
- Welche Reaktionen tauchen unter Kontakt oder Anforderung auf?
Diese körperlichen Hinweise werden im Dialog reflektiert
und mit dem Enneagramm als Orientierungsmodell in Beziehung gesetzt.
Keine Typisierung, sondern überprüfbare Selbstwahrnehmung
Die Arbeit mit dem Enneagramm ist dabei kein einmaliges Festlegen.
Hypothesen werden im Erleben, im Gespräch und im Alltag immer wieder überprüft und bei Bedarf korrigiert.
So entsteht ein dynamisches Verständnis der eigenen Struktur:
- Was gibt mir Halt?
- Wo gerate ich unter Druck in Automatismen?
- Welche Ressourcen stehen mir zur Verfügung – und wie kann ich sie bewusster nutzen?
Gerade in Führungsrollen unterstützt diese Form der Arbeit dabei, das eigene Verhalten differenzierter wahrzunehmen, Stressreaktionen früher zu erkennen, und Selbstführung klarer, gesünder und tragfähiger zu gestalten.
Das Enneagramm dient dabei als Landkarte,
nicht als Etikett –
und die körperliche Wahrnehmung als Kompass für stimmige Entwicklung.